Zur Übersicht: Heinrich-Hannover.de

Pressespiegel  Leseprobe   Inhaltsverzeichnis     Wie dieses Buch entstanden ist

 

Wie dieses Buch entstanden ist
Auf dem Dachboden meiner Anwaltspraxis haben ein paar hundert Akten, alphabetisch in Regalen geordnet, alle Entsorgungen und Umzüge überdauert. Ich hatte sie bei der Ablage von Akten abgeschlossener Verfahren sogleich ausgesondert und als "interessante Fälle" gekennzeichnet, die nicht in Vergessenheit geraten sollten. Die ältesten reichten bis ins Jahr 1954, das Jahr meiner Anwaltszulassung, zurück. Ich dachte, daß sich vielleicht eines Tages Historiker oder Doktoranden für diese Akten interessieren würden. Denn ich hatte das Glück, an vielen Verfahren beteiligt zu sein, die eng mit der Geschichte der Opposition und des Widerstands gegen Restauration, Remilitarisierung, Atomwaffen, Notstandsgesetze und andere Staatsaktionen der herrschenden Klasse verknüpft waren.
Die Akten füllten schließlich Regale von etlichen Metern Breite und nahmen Platz weg, der für neuere abgelegte Akten benötigt wurde. Und als ich Mitte der neunziger Jahre, kurz vor meinem siebzigsten Geburtstag, beschloß, mich aus dem aufreibenden forensischen Kampf zurückzuziehen, und immer noch niemand nach diesen Akten gefragt hatte, stand ich vor der Frage, ob die papierenen Überbleibsel meiner Justizerfahrungen nicht doch dem Zerreißwolf überantwortet werden sollten.
Aber da machte mein Freund Christoph Schminck-Gustavus, Professor für Rechtsgeschichte an der Universität Bremen, mir den Vorschlag, in einer seiner Seminarveranstaltungen seinen Studenten und Studentinnen über einige meiner Fälle zu berichten. Ich holte mir nach und nach einige dieser Akten vom Dachboden, blätterte und las in den mürbe und staubig gewordenen Papieren und ließ Erinnerungen wieder wach werden, die ich dann, beginnend mit dem Sommersemester 1995 in wöchentlichen, später in zweiwöchentlichen Abständen einer interessierten Zuhörerschaft, vorwiegend jungen Menschen, vortrug. Unter meinen Zuhörern waren Studienanfänger, auch Studenten anderer Fachbereiche (Soziologen und Politikwissenschaftler) und Gasthörer (u. a. Lehrerinnen), so daß ich einen Darstellungsstil finden mußte, der auch die juristische Seite der geschilderten Fälle für Nichtjuristen verständlich machte. Auch wurde mir aus Fragen und Diskussionsbeiträgen meiner jungen Zuhörer klar, daß man den zeitgeschichtlichen Hintergrund vieler Prozesse nicht als allgemein bekannt voraussetzen kann. Und vor allem entdeckte ich, daß es in meinem Kopf eine Fülle persönlicher Erinnerungen gibt, die auch über stenografische Prozeßmitschriften und Tonbandaufnahmen von Plädoyers und ganzen Hauptverhandlungen wieder lebendig wurden, so daß ich meinen Zuhörern mehr bieten konnte, als dies anderen Bearbeitern meiner Akten möglich gewesen wäre. Warum also auf Doktoranden und Historiker warten? Das war der Anfang eines Plans, selbst ein Buch über eine Auswahl meiner interessantesten Fälle zu schreiben.

Heinrich Hannover
Die Republik vor Gericht 1954-1995

Erinnerungen eines unbequemen Rechtsanwalts
Broschur, 960 Seiten, Erscheint bei: Aufbau Taschenbuch Verlag
3-7466-7053-5 16,90 €

 

Pressespiegel  Leseprobe   Inhaltsverzeichnis     Wie dieses Buch entstanden ist

Zur Übersicht: Heinrich-Hannover.de

Haftungsausschluss